Sonntag, 11. März 2012

Nuno-Filzschal

Nunofilzschal
Seit einigen Wochen kam ich nicht mehr dazu, einen neuen Filzschal zu entwerfen - diese Woche war es endlich wieder soweit. Passend zum wärmer werdenden Wetter entstand ein Nunofilzschal. Nuno kommt aus dem Japanischen, dort entstand diese spezielle Technik, Wolle auf Stoff zu filzen. Der Stoff sollte locker gewebt sein, damit die Wolle gut durchkrabbeln kann - leichte Seide oder Baumwollmusseline eignen sich gut. Es funktioniert auch mit festem Stoff bzw. Kunstfaser, das erfordert allerdings viel mehr Zeit, und lohnt sich nur für ganz spezielle Projekte. Nunofilzschals sind sehr leicht und zart, wärmen aber trotzdem, und sind durch die spezielle Technik sehr dekorativ.

Material für den Nunofilzschal


Für diesen Schal habe ich superfeine Merinowolle (16 Mikron, von Filzrausch) auf Chiffonseide gefilzt, der Schrumpffaktor beträgt, je nach der Intensität des Filzens,  zwischen 30 und 50 %.

Material: 
  • Chiffonseide
  • Merinowolle
  • gefärbte Seidenfäden





abgedeckter Filzschal

Den Arbeitsplatz gut mit Plastik abdecken, den Seidenstoff auf einer  Unterlage von Kunstfaser (z.B. Futterstoff) auflegen, mit der Wolle im gewünschten Muster belegen, die Seidenfäden nach Wunsch auflegen. Den Schal mit einem Kunstfaser-Netz abdecken (z.B. Vorhanggaze), mit warmem Seifenwasser besprenkeln, mit den Händen auf der Gaze die Luft herausdrücken. Dann die Gaze abnehmen, den Schal mit Hilfe eines Kerns (Rohr, nasses Handtuch, ...) mit der Unterlage sorgsam, ohne Falten, aufrollen. Die Rolle zusammenbinden, und dann mindestens 100x rollen. Rolle öffnen, den Schal von der anderen Seite aufrollen, alles zusammenbinden und wieder zumindest 100x rollen. Dabei sollte die Arbeit immer warm und feucht, aber nicht zu nass sein - eventuell mit einem Handtuch überschüssiges Wasser wegtupfen, und erneut warmes Seifenwasser aufsprengen.

Den Schal auspacken und kontrollieren - die ersten Wollfasern sollten durch die Seide gekrabbelt sein! Nun den Schal in der Länge 1x oder 2x falten, aufrollen, sichern und ca. 100x in dieser Richtung rollen, dann die Roll-Seite wechseln. Auspacken, die Ränder begradigen und kontrollieren, ob die Wolle überall genügend den Stoff durchdrungen hat. Nun arbeite ich ohne Futterstoff weiter, falte den Schal immer wieder unterschiedlich und rolle ihn (mit ständiger Kontrolle), bis Stoff und Wollfasern sehr gut verbunden sind.

Zum Endfertigen den Schal in heißes Seifenwasser tauchen, ausdrücken, und vorsichtig! einige Male auf den Tisch werfen, damit die Wollfasern sich zusammenziehen. Zum Schluss in handwarmem Wasser ausspülen, dem letzten Spülwasser etwas Essig zusetzen (neutralisiert eventuelle Seifenreste und verstärkt den Glanz), den Schal in einem Handtuch ausdrücken und noch feucht bügeln.



Hier sehen Sie die unterschiedliche Ansicht der Vorder - und Rückseite eines Nunoschals: die Wolle dringt durch die Seide, das Muster ist auf der Rückseite zarter und undeutlicher.





Gutes Gelingen!

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